Partii - Partizipation inklusiv

[8] Ergebnisse Erprobung

Tests

Ziel des Projekts Partii ist es, Menschen mit Behinderung in die Partizipationsinitiative einzubeziehen. Dazu wurden die Anforderungen von drei verschiedenen Gruppen von MmB an digitale Zugänglichkeit und kommunikative Barrierefreiheit erhoben und analysiert. Auf dieser Basis wählten wir als Tool das Open Source Content Management System (CMS) WordPress. Wir konfigurierten und gestalteten es für das Einsammeln von Fragen und Ideen an die Wissenschaft (s. Oben Auswahl/Nutzung Tool).

Technische Tests und individuelle Erprobung

Die Usability und die Barrierefreiheit der Seiten – über die obligatorischen technischen Tests hinaus – testeten und beurteilten vor allem Menschen mit Behinderungen selbst. Wichtig für die Beurteilung sind neben dem subjektiven Erleben der testenden Person auch die technischen Voraussetzungen.

Technische Hilfsmittel haben großen Einfluss

Im Vorfeld wurden daher sowohl die technischen Vorerfahrungen als auch der Einsatz behinderungsspezifischer Hilfsmittel erfasst, da diese beiden Faktoren einen hohen Einfluss auf die Beurteilung haben. Wie beispielsweise eine Menüführung oder eine Seitenstruktur beurteilt wird, unterscheidetsich auch aufgrund der Menge an Erfahrungen, die eine beurteilende Person selbst gemacht hat. Dazu kommt, dass die Verwendung technischer Hilfsmittel sich sehr unterschiedlich auf das Navigieren oder die Darstellung einer Website auswirken kann. So bleibt bei der Verwendung von Vergrößerungsgeräten oder manuellen Eingabehilfen die grafische Darstellung der Internetseite dieselbe. Beim Zugang mit Hilfe eines Screenreaders hingegen werden die Inhalte per Sprachausgabe wiedergegeben, was einen ganz anderen Eindruck erzeugt und zudem technisch-gestalterische Vorkehrungen erfordert, damit es einwandfrei funktionieren kann.

Mittels eines Fragebogens wurden von uns daher die Einschätzung folgender Aspekte erfasst:

  • Aufrufen und Betreten der Website
  • Navigation, Menüführung
  • Darstellung/Anordnung der Bedienelement
  • Größe der Bilder und Videos
  • Möglichkeit der Frageeinreichung
  • Darstellung des Impressums und der Datenschutzerklärung.

Menschen mit Behinderungen als Testpersonen

Bei der Auswahl der Testpersonen haben wir nach Menschen gesucht, die offen mit ihren Einschränkungen umgehen und das Internet, vor allem die Kommunikationsplattformen der Social Media-Anbieter, für Aufklärungsarbeit über ihre Behinderungen nutzen. Dem lag die Annahme zugrunde, dass diese Menschen mit dem Internet und ihren jeweiligen Hilfsmitteln, aber auch mit dem Umgang mit digitalen Barrieren vertraut sind. Ebenso sind sie aber auch motiviert, sich für mehr und bessere Barrierefreiheit einzusetzen. Wir konnten überwiegend Personen zur Erprobung gewinnen, die beruflich und/oder privat themenspezifische Blogs bzw. Homepages betreiben oder sich bereits für diverse Interviews von online Magazinen zur Verfügung gestellt haben.

In der Gruppe der Testenden waren jeweils mehrere Menschen mit starker Sehbehinderung/Blindheit, Menschen mit Autismus-Spektrum-Störungen, taube Gebärdensprachnutzer sowie Menschen ohne Einschränkungen vertreten, die teilweise über spezifische Expertise in der Erstellung und Evaluation barrierefreier Angebote verfügen.

Unterschiedliche Anforderungen der Zielgruppen spiegeln sich in den Ergebnissen

Die Ergebnisse der Erprobung sind insgesamt sehr positiv. Die Beurteilungen und Hinweise der Testenden mit Sehbehinderung/Blindheit wiesen eine erstaunliche Bandbreite auf. Grundsätzlich war auf den Seiten für sie alles zugänglich und nutzbar, die Inhalte gut strukturiert. Allerdings traten durch die Einbindung der Gebärdensprachvideos teilweise Irritationen auf, zudem wurden kleine technische Fehler bzw. Unsauberkeiten bei der Nutzung mit Screenreadern moniert.

Die Testenden mit Autismus-Spektrum-Störungen bewerteten die Seiten als grundsätzlich sehr angenehm. Navigation sowie Darstellung der Bedienelemente wurden als übersichtlich beschrieben. Der ausgeprägte Fokus auf Klarheit und Einfachheit dieser Zielgruppe wurde daran deutlich, dass Einzelne die in den Gebärdensprachvideos vorkommenden Schatten als „störend“ empfanden – sie schauten sie an, obwohl sie gar keine Gebärdensprache können.

Taube Gebärdensprachnutzende fanden die Seiten durchgängig gelungen, schon weil alle Informationen auch in Gebärdensprache zur Verfügung stehen.Insgesamt waren die Testenden mit dem Aufbau, der Bedienbarkeit und der gestalterisch-technischen wie kommunikativen Zugänglichkeit zufrieden. Klarheit und Struktur der Seite wurden positiv hervorgehoben, ebenso wie beispielsweise die allgemeinverständliche Kurzfassung der Datenschutzerklärung. Ebenfalls durchweg positiv bewerteten die Testenden die Möglichkeit der Frageeinreichung.

Kleinere technische Mängel, auf die einige Testende uns aufmerksam machten, konnten wir inzwischen beheben. Die sehr unterschiedlichen Anforderungen der Zielgruppen fanden sich allerdings auch in den zusätzlichen Hinweisen der Testenden wieder. Daher ist in Erwägung zu ziehen in zukünftigen Projekten und konkreten Anwendungen wesentliche Inhalte Zielgruppen spezifisch darzustellen, vergleichbar einer mehrsprachigen Website.

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